Verkaufsnachmittagen in der Töpferei Gingko Kreativ-Eck

Wir laden herzlich zu unseren beiden Verkaufsnachmittagen in der Töpferei Gingko Kreativ-Eck ein!

An jeweils zwei Tagen – Montag und Dienstag – öffnen wir unsere Türen von 16:00 bis 17:30 Uhr für alle Interessierten, Liebhaber handgefertigter Keramik und Neugierige. Entdecken Sie in entspannter Atmosphäre unsere vielfältigen, liebevoll gestalteten Töpferarbeiten – von dekorativen Einzelstücken bis hin zu praktischen Alltagsgegenständen.

Dieses Angebot gilt bis zu den Sommerferien im Juni und lädt in dieser Zeit regelmäßig zum Stöbern und Entdecken ein.

Die Verkaufsnachmittage bieten eine schöne Gelegenheit, unsere Arbeit kennenzulernen, ins Gespräch zu kommen und vielleicht das ein oder andere besondere Stück mit nach Hause zu nehmen.

Sie finden uns hier:
vbff in Ostsachsen e.V.
Töpferei Gingko Kreativ-Eck
Zur Reißigmühle 1
02763 Zittau

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 

Wir sitzen alle in einem Boot

Seit mehr als einem Jahrzehnt ist der Verein Vbff in ostsachsen e.V. in unterschiedlichen Bereichen tätig. Neben der Sozial- und Migrantenberatungsarbeit, widmet sich der Verein auch der Kinder- und Jugendarbeit und ist Träger der Jugendhilfe des Landkreises Görlitz. Der Verein Vbff in ostsachsen e.V. arbeitet seit Jahren mit der Stadt Hrádek n.N. und den tschechischen und polnischen Vereinen zusammen. Da die Zusammenarbeit besonders in der Coronazeit weniger geworden war, soll sie durchunter schiedliche gemeinsame Veranstaltungen wieder aktiviert und gefestigt werden. Um neue Kontakte zu knüpfen und bestehende Kontakte zu festigen werden Veranstaltungen auf beiden Seiten der Grenze stattfinden. Der traditionelle „Brunch der Kulturen“ soll wie im Jahr 2016 und 2019, in diesem Jahr wieder grenzüberschreitend stattfinden. Um mit unseren vorhandenen Projekten eine breitere Öffentlichkeit in der Bevölkerung unserer Region anzusprechen suchen wir ständig nach neuen Formaten und Ideen. Ein Format auf der tschechischen Seite hat uns besonders angesprochen und kommt unserem Vorhaben sehr nahe. Durch den Besuch der Keramikwerkstatt in Zviretice und vieler anderer Ziele in der Euroregion sollen neue Kontakte entstehen. Wir wollen unter anderem den Bertsdorfer See besuchen und uns dem allgegenwärtigen Thema „Häusliche Gewalt“ widmen. Dieses Thema wird uns in der einen oder anderen Form als Workshop das gesamte Projekt weiterhin beschäftigen. Wir werden der Waldbühne in Jonsdorf einen Besuch abstatten, vorher durch den Jonsdorfer Ortsteil „Hänschmühe“ spazieren und bei einem gemeinsamen Picknick weiter zum Thema diskutieren. Mehrere Veranstaltungen dieser Art für Kinder/Jugendliche und Erwachsene stehen bis März des kommenden Jahres auf unserer Agenda.

Frauen, Männer, Mädchen und Jungen nehmen generationsübergreifend gleichermaßen an den Projektaktivitäten teil. Mit diesem Projekt wird die Integration von Menschen mit Behinderung, die Chancengleichheit, Nichtdiskriminierung aufgrund des Geschlechts, der Rasse oder der ethnischen Herkunft gefördert. Das Projekt wird gemeinsam mit dem „Kabinet Trojzemi“ einer Einrichtung der tschechischen hussitischen Kirche durchgeführt und aus dem Kooperationsprogramm Sachsen – Tschechien 2021-2027 mit 15.476 Euro gefördert.

Erdbeben in der Türkei

Wenn Dilber Akcay an ihren Besuch vor ein paar Tagen in der Türkei denkt, muss sie noch immer mit den Tränen kämpfen. Vom 1. bis 5. Mai war sie mit Kerstin Nowak im Katastrophengebiet, das im Februar von mehreren heftigen Erdstößen erschüttert worden war. Die beiden Zittauerinnen vom Verein Vereinbarkeit von Beruf und Familien fördern in Ostsachsen (Vbff) hatten Spendengelder im Gepäck. Sie erlebten Freude, aber auch tiefe Trauer. Waren erschüttert und litten zusammen mit den Menschen, die zum großen Teil ihr Zuhause, ihr sämtliches Hab und Gut verloren hatten.

„Als wir die Bilder im Fernsehen sahen, waren wir wie vor den Kopf gestoßen“, erinnert sich Ilka Kerber, die den Vbff leitet und bei ihrer Arbeit regelmäßig auch mit Türken und Kurden zu tun hat. „Die Gebäude fielen ein wie Kartenhäuser. Unter den Schuttbergen lagen viele Tote. Die Bestürzung darüber hatten auch unsere Gäste im Gesicht. Sie dachten an ihre Verwandten in der alten Heimat. Gemeinsam haben wir überlegt, wie wir dort helfen können.“

Dilber Akcays Bruder hatte da schon die ersten Bekleidungstransporte auf den Weg gebracht. Sehmus Ceylan betreibt in Zittau den Picknick-Döner. Dankbar erinnert er sich an diese Zeit: „Die Kunden rannten uns regelrecht die Bude ein, wollten helfen.“ Textilien aber waren angesichts der Spendenflut bald nicht mehr gefragt. Deshalb verfolgten die beiden Geschwister zusammen mit dem Vbff eine andere Idee. „Das Beste war in dieser Situation, möglichst viel Geld zusammenzubekommen und damit den Leuten vor Ort zu helfen“, erzählt Ilka Kerber.

Eine verschworene Gemeinschaft, wenn es um Hilfe für die vom Erdbeben geschädigten Menschen in der Türkei geht: Dilber Akcay, Ilka Kerber, Ceylan Sehmus und Kerstin Nowak (von links).© Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

So beliebt wie die Döner von Sehmus Ceylan, so gut kamen bei den Zittauern auch seine Spendenboxen an. Am Ende waren es 2.351,28 Euro. „Die mussten natürlich ins Katastrophengebiet, zu den Menschen. Wir wollten ihnen die Hilfe unbedingt persönlich überbringen“, so Kerstin Nowak. Nach mehreren Stunden Flug und einer recht beschwerlichen Autofahrt war Hatay erreicht – eine dicht besiedelte Provinz im Süden der Türkei. „Was wir dort erlebt haben, war noch viel eindringlicher als die Fernsehbilder.“

Vor allem schlimmer. „Die Realität vor Ort hat uns die Ausmaße des Erdbebens erstmal richtig bewusst gemacht. Das war so bedrückend – am ersten Tag konnten wir überhaupt nicht reden“, schildert Dilber Akcay ihre Empfindungen. Ihre Schwiegermutter und der Schwager nahmen die beiden Frauen aus Zittau herzlich auf. „Sie haben tagelang im Zelt oder im Auto geschlafen – aus Angst, ihr Haus könnte über ihnen zusammenbrechen.“ Zum Glück ist das nicht passiert, die Familie kehrte zurück. „Der Blick geht aber oft hinauf zu den Lampen. Wenn die ins Schwingen kommen, geht es sofort raus auf die Straße.“

Das Spendengeld aus Zittau hat vor allem Mütter mit Kindern, Alte und Kranke, aber auch ein Tierheim erreicht. „Menschen können sich verständigen, um Hilfe bitten. Tiere haben es da deutlich schwerer. Deshalb war für uns von vornherein klar, dass wir einen Teil des Betrages für Hundefutter verwenden würden“, erklärt Kerstin Nowak. Sie ist noch immer ganz berührt von der Herzlichkeit. „Den Leuten geht es richtig schlecht. Aber sie waren freundlich zu uns ohne Ende.“ Und dankbar, dass sie nicht vergessen wurden.

So haben die beiden Zittauerinnen sehr viele Eindrücke mit nach Hause gebracht. Dilber Akcay: „Bei einem Haus war die gesamte Front weggebrochen. Man konnte direkt in die Wohnungen sehen. Im zweiten oder dritten Stock stand in der Küche noch das Essen im Backofen. Als ob die Menschen dort nur mal kurz rausgegangen wären.“ Kerstin Nowak erinnert sich an eine andere Begebenheit: „Die Leute haben mir von einer jungen Frau erzählt. Als die Erde bebte, rannte sie mit ihrem kleinen Kind aus dem Haus. Sie hatte jedoch die Jacke für ihr Baby vergessen, ging nochmal los – und kam nie wieder zurück.“

Die Erlebnisse ihrer Reise haben die beiden Frauen viel gelehrt. „Ich sehe Migranten in Deutschland jetzt komplett anders, wenn sie aus solch katastrophalen Verhältnissen kommen. Ich habe die Herzensgüte erlebt, die trotz des Unglücks weiter in ihnen ist. Diese Wärme möchte ich die Menschen auch bei uns spüren lassen“, sagt Kerstin Nowak.

Ilka Kerber geht noch einen Schritt weiter. „Ich wünschte mir, viel mehr Deutsche würden solche Erfahrungen machen. Wir im Verein sind es gewohnt, mit Migranten zu arbeiten und auf sie einzugehen. Viel mehr Deutsche würden wahrscheinlich ihre Ressentiments aufgeben, wenn sie wüssten, welches Elend oft hinter den Lebensläufen vieler Flüchtlinge steckt“, so die Vorstandsvorsitzende des vbff.

Sächsische Zeitung, 10.05.2023